#exploreBaWü – Bebenhausen

English version below 

 

Eigentlich bin ich eher unfreiwillig zufällig auf Bebendorf gestoßen.
Unfreiwillig und zufällig?
Well, well, es begann alles damit, dass ich eines Sonntagabends auf dem Weg zu meinem lieben Bruder war und die falsche Autobahnausfahrt nahm …

Nein, daran war nicht meine weibliche Genetik schuld, sondern mein – tada – Navigationssystem. So viel dazu.

Normalerweise fahre ich die Strecke Heimat –> Stuttgart/Tübingen ohne Navi, aber an jenem schicksalhaften Abend beschloss ich doch mal das Navigationssystem zu benutzen, weil Stau, weil Stress, weil müde.

Ich geriet dann auch tatsächlich in einen Stau und mein Navi hatte auch tatsächlich eine Lösung – „Fahr doch einfach eine Ausfahrt früher ab – Richtung Singen“
Ich: „Okay“
Das Navi: „Haha, super, kein Problem, ich lenk dich, pass auf: Du fährst jetzt über diese Mini-Straße, dann durch dieses kleine Dorf, jetzt durch dieses Waldstück hindurch, nein, sieht nur so aus, als ob du in der Pampa landest, vertrau mir, ich weiß, was ich tue.“
Ich: „Naja, also, ich möchte mich ja nicht beschweren oder so, aber das sieht aus wie ein Feldweg.“
Navi: „Nein, nein, schau, fahr durchs Dorf und fahr erstmal ran, schau, da ist ein Schild, Richtung Tübingen, haha!“
Ich: „Nun, ja, stimmt, aber das ist ein Feldweg. Ein gesperrter Feldweg noch dazu.“

Allerdings. Ich stand auf einem gesperrten Feldweg mit einem Schild „Richtung Tübingen“. Ist mir auch noch nie passiert.
Aber naja, mach das Beste aus deiner Situation, ’ne? Ich kannte die Strecke kein bisschen, weil ich noch nie diese Ausfahrt genommen hatte, aber das Dörfchen sah süß aus.
Fachwerk, alte Gemäuer, schön im Tal gelegen und richtiggehend idyllisch.

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An dem Abend war ich allerdings zu dem Zeitpunkt dann dezent genervt, aber das bemerkte ich dennoch.

Ich fuhr dann aus dem Ort raus und bog einfach rechts ab und merkte, wow, das Örtchen ist vielleicht drei Kilometer von Tübingen entfernt (wieso, liebes Navi, hast du mich nicht einfach weiter geradeaus fahren lassen? Vielleicht war es Schicksal).

Als ich dann zwei Wochen später einen Tag Zeit hatte und sowieso recht gestresst war, beschloss ich zu jenem Dorf zurückzufahren, denn ich brauchte eine gute Portion Land und die Ruhe die damit kommt.

Ich googelte kurz und fand heraus, dass besagtes Örtchen Bebenhausen hieß, tatsächlich nicht sonderlich groß war und ein Kloster und Schloss besaß, das man besichtigen konnte.

Nun gut. Ich hatte ja sowieso nichts vor und das Wetter war super.
Ich packte mir also Buch und Kopfhörer ein und zog los.

Bebenhausen bei Licht und mit zart blühenden Kirschen war nochmal schöner als ich es in Erinnerung hatte.
Ich stieg rauf zum Kloster und hatte eigentlich nicht groß vor irgendwas zu besichtigen – ich wollte meine Ruhe, irgendein schönes Plätzchen um zu Lesen und einfach mal zum Abschalten von meinem Kopf, der mal wieder viel zu viele Gedanken produzierte (und immer noch produziert).

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Aber als ich durchs Klostergelände lief, wurde ich doch neugierig. Es war wirklich beeindruckend idyllisch, mit Osterglocken an alten Gemäuern, Veilchen auf den Wiesen und einem strahlend blauen Himmel.

Da wollte ich doch mal ins Kloster.

Ich musste eine halbe Stunde warten, denn ich fiel noch unter die Winteröffnungszeiten, die nicht so großzügig sind.

1. November – 31. März
Di-So und Feiertage: 10 – 12Uhr und 13 – 17Uhr
1. April – 31. Oktober
Mo: 9 – 12Uhr und 13 – 18Uhr
Di-So: 9 – 18Uhr

Aber was ist schon eine halbe Stunde?
Also setzte ich mich auf eine Bank vor dem Einlass, las schon mal ein bisschen und kaufte mir dann ’ne Karte für 5€ (ich habe vergessen meinen Studentenausweis vorzulegen – Ermäßigung gibt’s sonst nämlich) für das Kloster (mit Schloss kostet’s 9€).

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Was ich als sehr angenehm empfunden habe, war, dass ich nicht auf Führungen angewiesen war. Ich weiß, die meisten Leute schätzen sowas, aber ich erkunde immer gerne alles selber.

Ich finde Kloster sind durchaus auch was für Leute, die nicht religiös sind – ich zum Beispiel weiß jetzt nicht, wo ich mich einordnen würde beim Thema Religion, wenn ich mich überhaupt irgendwo einordnen würde.

Was ich an Klöstern mag, schon als Kind, ist unabhängig von sämtlichem Glauben, die Ruhe, die sie ausstrahlen. Alles ist alt, alles ist irgendwie friedlich, man hat das Gefühl ein Stück von der Welt zurückzutreten, was ja auch irgendwie der Grundgedanke ist. Das Weltliche vom Geistlichen trennen.

Das Kloster in Bebenhausen ist wunderschön und sehr gut erhalten, und was Kontemplation angeht, erfüllt es alles, was es verspricht.

Die Kreuzgänge sind architektonisch wunderschön, ebenso wie die Kirche, die Wände sind bemalt und die Räume haben etwas altehrwürdiges.

Aber seht selbst (am allerbesten gefällt mir die „Bibliothek“ mit dem Sternenhimmel an der Decke, ich hatte einen totalen Harry Potter – Moment):

Danach bin ich dann noch ein bisschen ums Kloster herumgestreunt und habe mir alles angeschaut, es war beinahe so idyllisch, dass es in Kitsch überging. Der Friedhof war paradoxerweise auch sehr urig.

Man ist recht schnell durch das Kloster durch (ich jedenfalls) und wenn man nicht so wie ich sich danach noch eine Stunde oder zwei in den Garten setzt, Musik hört und liest, dann kriegt man keinen ganzen Tag voll.

Allerdings habe ich nicht das Schloss besichtigt, vielleicht ändert das nochmal was.

Für ein paar Stunden Abschalten und Entspannen ist das jedoch ein echter Geheimtipp, der direkt vor der Tür liegt, wenn man aus Stuttgart oder Tübingen kommt.

Ich brauche das ab und an immer mal wieder – viel Ruhe, Zeit für mich, Gedanken zum Stoppen bringen.

Für jeden, der auch eher introvertiert ist, und das auch immer mal wieder braucht und aus der Gegend kommt, dem lege ich Bebenhausen ans Herz.

Auch jeder, der durchreist und an einem Tag ruhiger machen will oder ein paar Stunden übrig hat – schaut’s euch an. Nehmt euch vielleicht, wie ich, ein Buch mit, legt euch ins Gras und lest.

Der Tag an dem ich da war, war übrigens der erste schöne, warme Tag im März, der dann die tolle, warme Märzwoche eingeläutet hat.
Im Klostergarten haben sie den Rasen gemäht und als ich vorbei ging, wehte eine warme Brise zu mir herüber, die den Geruch von frischem Gras mit sich trug.
Das ist Frühling für mich.

 

English version:

#explorebadenwurttemberg Bebenhausen

I ended up in Bebenhausen rather involuntary and by accident.
Why involuntary and by accident, you ask.
Well, well it all started when on one nice sunday evening I was on the way to visit my beloved brother and took the wrong exit on the Autobahn.

No, it wasn’t me and my female genetics, it was actually – my GPS.

Suprise, surprise.

Usually I don’t use it when driving from my hometown to Stuttgart/Tübingen since I know the way, but that evening I did, because there might be traffic and also because I was quite stressed and tired.

There was traffic, and since I was trying to be smart and my GPS told me so, I took another route which seemed to be faster only it wasn’t.

It was nothing like that at all.

My GPS went something like this: “Look, Isabell, I’m going to make it easy for you, just take this turn, and then that, and yes, this village is supposed to be that small, also, please drive through the wood, and yeah, I know that doesn’t look like an official road anymore, but trust me, it is!

Me: “I don’t want to be rude, but that really does look like a farm track.”
GPS: “No, just, look, just drive closer, ha! Do you see that sign? It says Tübingen. See? Told you.”

Me: “Well yeah, there’s a sign that says Tübingen, but that’s a farm track nonetheless. Worse, actually, it’s a blocked farm track.”

And that’s how I ended up in Bebenhausen.

What do they say? Make the best out of the situation. At least the village looked cute.

How do you guys say “Fachwerkhäuser”? The typical german ones. Leo tells me you call them timber frame buildings and I hope that’s right.

Well, there were a lot of these beautiful timber frame buildings, also it was down in the valley, truly idyllic.

I was already quite annoyed that evening, but that I noticed anyway.

I ignored my GPS, drove through the village and at its end turned right, and voilà, who would’ve guessed? Just three kilometers away, there’s Tübingen! Dear GPS, if you would’ve just let me drive straight on, I would’ve gotten to Tübingen without any problems. Well, might’ve been fate.

Two weeks later when I got the time, was rather stressed and worn out anyway, I decided to go back to that little village. I needed the countryside, needed the space and a real time out.

I googled and discovered that the village was in fact named Bebenhausen, rather small with a little castle and abbey.

I had the day off, the weather was amazing, so I went and took a book and headphones with me and off I go.

Bebenhausen by day with fresh cherryblossoms looked even more beautiful than on that evening.

I went up the stairs to visit the abbey without any real intentions of entering it, I just wanted some peace and quiet to wind down and stop myself from overthinking.

As I strolled around the abbey I got curious. It really was idyllic, with jonquils near old stone buildings, violets blooming on the lawn and the picture perfect blue sky.

Well, let’s have a look into the abbey anyway.

I had to wait half an hour since when I visited they still had the stricter opening hours during winter.

November 1 – March 31
Tue-Sun and holidays: 10am – 12pm und 13pm – 17pm

April 1October 31

Mon: 9am – 12pm und 13pm – 18pm

Tue-Sun: 9am – 18pm

But what’s half an hour really?

I sat down on a bench in the sun, took out my book, read a little, then, half an hour later, got in, bought myself a ticket (5€ – cheaper if you’re a student and 9€ if you plan to visit the castle and the abbey) and started to explore the abbey.

I really enjoyed the fact that you weren’t forced to take guided tours, I know a lot of people like them, but I always prefer wandering around and exploring everything myself.

I do think abbeys are also something for people who aren’t into religion. I for myself don’t know what my take on religion is yet or if I even have any. But what I do like about abbeys, putting religion and all that aside, is the quiet, the feeling of visiting a very old and peaceful place. It feels like entering a different world, one that doesn’t connect to the stressful, busy world that is ours which kind of is what the monks wanted, right?

The abbey in Bebenhausen is truly beautiful and in a very good state and if you want some peace, that’s the place to go.

The cross-coats are stunning, the church also is, all the walls are painted with flowers and twines and the rooms have some history about them.

Just take a look at the pictures above (what I liked most was the “library”, the room with the stars ad moon painted on the ceiling, it gave me all the Harry Potter feels).

After that I took another stroll around the abbey and it was so beautiful, that it bordered on cheesy.

Even the cemetery seemed cozy and pretty.

If you visit Bebenhausen and the abbey you will discover that you’ve seen everything in a rather short period of time. Of course, I didn’t pay the castle a visit, so that might be a gamechanger.

But if you don’t give yourself one or two hours to read in the gardens of the abbey, like I did, it won’t take you a day to see everything Bebenhausen has to offer.

If you want a few hours of peace and quiet though, some time to wind down, a little space or a time out from your busy life, this is something for you. Maybe you’re visiting Germany and traveling through Bavaria and Baden-Wurttemberg (so, so much to visit here, way more than just Neuschwanstein or Lake Constance) and you have a day more while you’re in Stuttgart and want to go somewhere to relax, I recommend visiting Bebenhausen.

Maybe take a good book along, lay down in the grass and read.

The day I visited was the first real warm day of march and when I explored the gardens of the abbey, someone was mowing the lawn and while he did that, a warm breeze carried the scent of freshly cut grass to me.

That’s spring for me.

 

 

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