You’ve got to love yourself, kid.

Lange war nichts, was ich schrieb gut genug für meinen Blog. Nichts hat mir gepasst und alles schien irgendwie unförmig, zu groß oder zu sperrig. Die Worte waren nicht flüssig, sondern durcheinander mit spitzen und zackigen Buchstaben. Ich konnte meinen Blog nicht ausstehen. Ich sah ihn an und wollte ihn nicht mehr sehen. Ich verschmähte die Kommentare und die Likes. Ich wunderte mich, dass anderen etwas gefiel, was mir so gar nicht gefallen wollte.

Irgendwann verstand ich, dass es an mir lag. Ich war diejenige, die dachte, dass meine Inhalte nicht passend waren, zu nachdenklich.

You’ve got to love yourself, kid.

Ich weiß nicht, ob ihr ähnliche Erlebnisse hattet, aber in letzter Zeit liest man diesen Satz überall in ganz verschiedenen Variationen, positiv, ermutigend, als Voraussetzung für alles, was danach kommen mag. Ich fand das nie sonderlich einfach. Mich zu lieben. Das hat noch andere Hintergründe, aber die sind völlig irrelevant für diesen Blogpost.
Selbstliebe klang für mich zudem zu sehr nach Selbstverliebtheit. Gemeint ist aber wahrscheinlich viel mehr sich anzunehmen, wie man eben ist, mit all seinen Macken und den Sachen, die man gerne noch ändern will, aber noch nicht so weit ist. Geduldig und liebevoll zu sich zu sein.
Ein Konzept, dass ich persönlich so nicht unbedingt kenne, zugegebenermaßen. Ich bin aufgewachsen mit dem Glauben, meine Fehler schnellstmöglich korrigieren zu müssen und wenn das nicht möglich ist, versagt zu haben. Bei mir ging es darum, was immer ich tat, so gut wie möglich zu erledigen, möglichst sogar besser als alle anderen und wenn das nicht klappte, dann musste ich irgendetwas falsch gemacht haben. So stand ich unbewusst eine lange Zeit, auch jetzt noch, unter einem sehr großen Leistungsdruck. Das Prinzip der Selbstliebe war mir weder sonderlich bekannt, noch hielt ich es für förderlich. Wo blieb da der Fortschritt? Wenn ich mich selbst immer so annehme, wie ich bin, wie komme ich dann voran? Wo ist die positive Veränderung? Belüge ich mich nicht selbst?

Nein.
Wenn man es so macht wie ich und immer nach etwas strebt, man sich selbst nie gut genug ist, so ist das keine Motivation, sondern nichts anderes als das eigene Stehen-bleiben. Die Veränderung kommt aus der inneren Zufriedenheit, nicht aus der Hetze von einem vermeintlichen Erfolg zum nächsten. Ich finde das immer noch sehr schwer zu erklären, aber ich werde es trotzdem versuchen.
Die eigene Unzufriedenheit mit sich selbst, treibt einen nicht an, sie hemmt einen. Man ist unglücklich, man sitzt wie in einem Boot auf einem Fluss und paddelt wie wild, kommt aber keinen Meter voran. Es ist frustrierend. Das „Ich bin nicht gut genug“ ist keine Motivation, es ist eine Drohung. Und Drohungen haben allerdings manchmal eine sehr krude Ähnlichkeit mit einer Motivation, aber sie sind keine. Das, was einen in dem Fall voran treibt ist Angst und Negativität. Die ständige Angst, eventuell nie gut genug zu sein. Aber ein negativer Antrieb ist kein Antrieb. Auf die Dauer lässt er einen verzweifeln, das Ziel immer weiter weg erscheinen und der Weg dorthin ist dunkel und bedrückend, man geht ihn nicht gerne und da man ihn nicht gerne geht, bleibt man stehen, schaut sich um, aber da man sowieso von einem schlechten Ausgangspunkt her kommt, ist alles, was man sieht, schwarz. Die Situation scheint ausweglos. Das einzige Ziel ist in weiter, ferner Zukunft; einmal besser zu sein. Aber wenn man dieses Ziel nicht erreicht, so sagt es die Drohung, versagt man. Man muss dann sein Leben lang auf diesem dunklen, schwarzen Weg stehen, droht sie. Deshalb, beeil dich lieber, sonst siehst du ja, was dich erwartet. Sie nimmt einem jede Kraft und jeden Mut.

 

 

Startet man hingegen von einem positiven Ausgangspunkt aus, von etwas, was nicht perfekt ist, was man aber angenommen hat, wie es ist, so ist der Weg schon mal heller. Wenn man zurückfällt, dann hat man nicht versagt. Man hat sich vorher genügt, man wird sich auch hinterher genügen, denn schließlich war die Situation vorher nicht bedrohlich und man hat immer die Möglichkeit es noch einmal zu versuchen, ohne Drohung. Ohne die leise Stimme, die einem einflüstern will, dass wenn man es beim ersten Mal nicht schafft, alles verloren ist. Ich bin zufrieden mit mir und weil ich zufrieden mit mir bin, kann ich klarer sehen, wer ich bin, was ich will und wohin ich will. Ich finde nicht per se alles schlecht, sondern ich bin sanft zu mir. Das, was ich ändern will, ist sinnvoller und Rückfälle nicht desaströs, denn ich falle ja nicht zu einer Person zurück, die ich nicht ausstehen kann, sondern zu einer, die ich angenommen habe. Auch ist mein Weg nicht von Bedrückung geprägt, sondern von Vorfreude und ich sehe das Ziel vor mir so nah, wie es wirklich ist, weil ich nicht so hart zu mir selbst bin und weil ich es erreichen kann. Dinge fallen mir leichter, weil sie nicht gleich einen Weltuntergang bedeuten, wenn sie schief gehen und auf andere Menschen wirke ich positiver und herzlicher.
Außerdem habe ich auch meine Situation angenommen wie sie ist, denn, seien wir ehrlich, das was wir jetzt in diesem Moment haben, ist das einzige, mit dem wir arbeiten können. Die Zukunft ist ein Rätsel, die Vergangenheit bereits geschehen.

 

 

 

Dieser Blog und meine Entscheidung ihn nicht anzurühren bis das, was ich schreibe perfekt ist, sind eine gute Metapher dafür. Nichts, was ich schreiben könnte, könnte jemals perfekt sein. Einigen wird es gefallen, andere werden den Kopf darüber schütteln. Es muss gar nicht perfekt sein, es muss nur echt sein und es muss ich sein.

Das möchte ich euch heute mitgeben. Nehmt euch an, wie ihr seid, seid zufrieden mit euch und euren Macken. Ihr habt es euch redlich verdient. Ich wette, ihr seid alle nur ein Bruchteil so schlimm wie ihr selbst von euch annehmt 😉
Die Menschheit wäre wahrscheinlich eine Glücklichere, wenn sie etwas zufriedener mit sich selbst wäre. Nicht alle Probleme lassen sich sofort lösen und eine Universallösung gibt es schon gar nicht.
Wer weiß, vielleicht gibt es auch gar keine Lösung, die allen passt. Aber wäre das so tragisch? Wir haben so viel erreicht und fast ausschließlich mit Kompromissen. Irgendwo habe ich gelesen, dass ein guter Kompromiss nur ein solcher ist, wo nachher alle Beteiligten etwas abgeben mussten.

In dem Sinne, sucht nicht immer nach euren Fehlern und nach den perfekten Lösungen dazu, denn die gibt es nicht. Gebt euch eine Auszeit und schätzt euch so, wie ihr seid. Ihr habt noch so viele Möglichkeiten und Chancen, Wege und Umwege, die ihr gehen könnt, dass ihr euch darum wirklich keine Sorgen machen braucht.

 

 

Einen wunderschönen ersten Advent euch!

Isabell

4 Antworten auf “You’ve got to love yourself, kid.”

  1. Alles, was Du in Deinem Eintrag geschrieben hast, ist plausibel, ist nachvollziehbar, klingt völlig schlüssig. Ich denke, dass es (auch) für Dich kein leichter Weg gewesen ist, zu diesen Erkenntnissen zu kommen und sie vor allem dann für Dich selbst anzunehmen.

    Aber Du scheinst es geschafft zu haben, mindestens schon recht weit gekommen zu sein auf diesem Weg. – Ich freue mich sehr fürt Dich, dass bzw. wenn es so ist. Denn Du bist noch jung, vor Dir stehen noch viele Möglichkeiten ud Du scheinst mir neimenad zu sein, der „Gefahr“ läuft chararakterlich eine völlig andere zu werde, dadurch, dass Du Deine Ansprüche an Dich selbst nich gar so hoch stellst, dass Du nicht mehr so nach Perfektion strebst.

    Mir gibt Dein Text viel zu denken, obwohl vieles, was Du aufgeschrieben hast, für mich nicht so neu ist. Viele Jahre lang, habe ich mich genau mit dieser Thematik beschäftigt, angeregt und lange begleitet durch professionelle Hilfe.

    Ich habe den Weg, den Du hier beschrieben hast auch einzuschlagen versucht, ich versuche, wenn ich davon abkomme, nunmehr auch wieder zurück zu kehren. Aber es ist für mich nach wie vor unsagbar schwer.

    Ich habe vieles (zu) spät erkannt. Und Entscheidungen, die ich nun treffe, sind nie mehr nur meine eigenen Entscheidungen. Es hängen immer andere, mir sehr nahe Menschen dran. Auch heute habe ich darüber wieder ein bisschen geschrieben …

    Ich werde nun um so lieber immer wieder hierherkommen auf Deine Seite, liebe Isabell. Es ist schön zu wissen, dass Dir das Schreiben, was Du so schön vermagst, nicht mehr so viel Druck bereitet.

    Ganz viele und liebe Adventsgrüße an Dich!

    Gefällt mir

    1. Nein, es war definitiv nicht leicht und ganz dort angekommen bin ich auch noch nicht.
      Ich musste über das, was du schreibst nochmal nachdenken und finde, dass du nichts zu spät erkannt hast. Allein, dass du dir darüber Gedanken machst, zeigt doch, dass du auf einem guten Weg bist.

      Auch mich hat es Jahre gekostet um dort anzukommen wo ich jetzt bin, und, wie schon gesagt, geschafft habe ich es auch nicht. Wahrscheinlich werde ich es auch nie. Ich werde immer mal hart zu mir sein und in alte, negative Verhaltensmuster fallen. Wichtig ist nur, dass die nicht dominieren und auch, dass ich, wenn ich das merke, dann nicht wütend auf mich bin. Es ist ein Weg. Ich kann mir irgendwie schlecht vorstellen, dass man irgendwann dort ankommt und nie wieder negativ denkt.
      Mich freut es aber, dass du dich für mich freust 🙂

      Wie oben im Blogpost schon gesagt, sei nicht so hart zu dir. Es ist sehr schwer und mit den Entscheidungen ist es bei mir das Gleiche, da bin ich auch noch nicht wirklich frei. Aber das ist okay, es wird schon kommen. Egal, wie alt man ist oder wie die Umstände sind.
      Andere Menschen mögen diese „Probleme“ vielleicht gar nicht haben, weil sie sich die Gedanken nicht machen, aber auf der anderen Seite ist es gerade das reflektieren, was einen wachsen lässt. Es darf nur nicht die Überhand ergreifen. Aber ich denke, es ist immer wichtig zu wissen, dass, gerade wenn es schwer ist, es einen wachsen lässt.

      Vielen lieben Dank für deinen tollen Kommentar und viele liebe Grüße zurück. Ich freue mich immer von dir zu lesen.

      Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s