Freedom is not having to do what you don’t want to do.

English Version below

Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, dass er tun kann, was er will, sondern, dass er nicht tun muss, was er nicht will.

Lange habe ich mich von diesem Satz magisch angezogen gefühlt ohne ihn selbst ganz zu begreifen. Jetzt, nachdem ich regelmäßig in Therapie war und meinen Kopf aufgeräumt und umgeräumt habe, verstehe ich es.
Wie lange habe ich Dinge getan, die ich eigentlich nie tun wollte, nur um es anderen Menschen irgendwie recht zu machen, oder eher: glaubte es ihnen recht machen zu müssen. Und nicht nur deshalb, sondern oft auch weil ich dachte, ich müsste etwas so machen, weil es eben so gemacht wird. Und wehe, wehe du fällst aus der Norm!
Heute weiß ich: jeder Mensch fällt irgendwie aus der Norm, weil es keine Norm gibt. Jedenfalls keine, so wie wir uns das vorstellen. Das Leben ist chaotisch und ganz oft hat man keinen Einfluss darauf, was einem passiert.
Früher hätte ich mich geschämt zuzugeben, dass ich in Therapie bin, heute ist es normal für mich. In Therapie sein heißt für mich nicht, irgendetwas nicht geschafft zu haben. Es heißt für mich, dass ich mich aktiv selbst reflektiere, an mir arbeite, mich um mich und meine Gesundheit kümmere und anstrebe, eine bessere Version von mir selbst zu sein. Und besser heißt in dem Fall nicht erfolgreicher, sondern zufrieden, ausgeglichen und in mir selbst ruhend. Die Voraussetzung um dann schließlich erfolgreich im Leben zu sein, was auch immer das für jeden Einzelnen bedeutet.
Aber ich schweife ab – es gibt keine allgemeine Norm für alle Menschen und oft können wir nicht kontrollieren, was uns geschieht. Wir können nur „kontrollieren“ wie wir darauf reagieren. Eigentlich sollte allein das uns anregen es anderen nicht recht machen zu wollen, denn im Endeffekt können wir es gar nicht. Wir können es versuchen, ja, aber ob unser Gegenüber das dann auch so empfindet, liegt an ihm.
Ich rege damit nicht an Mitmenschen ganz furchtbar zu behandeln, sondern einfach, wenn es um Herzensangelegenheiten geht, nicht uns selbst immer zurückzustellen. Auch bei anderen Dingen. Einfach bei allem, wo wir merken, dass wir unsere Grenzen erreichen.
Don’t set yourself on fire to keep others warm.

Wenn wir das nicht tun, kann der unser Gegenüber nicht wissen, wo unsere Grenzen liegen.
Außerdem habe ich persönlich gemerkt, dass ich, da ich oft keine Grenzen ziehe, den Anderen dafür verantwortlich mache, wenn er sie übertritt, weil ich erwarte, dass er oder sie die Grenzen von selbst bemerkt. Was nicht sonderlich schlau oder sinnvoll ist. Es liegt an mir zu sagen, wenn es mir zu viel wird oder wenn ich etwas nicht will. Natürlich gibt es auch Menschen, die bewusst Grenzen übertreten, aber das ist ein anderes Thema.

Ich habe an mir gemerkt, dass es tatsächlich unheimlich befreiend für mich ist, mir zu erlauben, etwas nicht zu tun, was ich nicht tun will. Vielleicht hört sich das für einige von euch total bescheuert an, weil ihr eben wenn ihr etwas nicht wollt, es nicht tut. Aber für einige Menschen ist das eben nicht selbstverständlich. Für mich war es das nie. Ich wollte immer gefallen, weil in meiner Kindheit Liebe oft von Leistung abhing und ich immer dachte (und auch noch ab und zu denke), dass wenn ich mir keine Mühe gebe, dies oder das nicht tue, die Menschen, die mir wichtig sind aufhören mich zu mögen.

Das ist, was ich euch allen, die so empfinden wie ich mitgeben will; Es ist völlig idiotisch zu glauben, dass Menschen aufhören einen zu lieben, wenn man etwas nicht so macht, wie sie es sich vorstellen – sie lieben dich auf jeden Fall, egal was du tust, weil sie eben dich lieben! Und wenn sie dich tatsächlich fallen lassen, wenn du aufhörst zu tun, was sie wollen, dann haben sie dich leider (und ich weiß, wie ungeheuer weh das tut) nie wirklich geliebt.
Für alle, für die das hier gibberish ist; Seid freundlich, offen und tolerant gegenüber anderen Menschen, auch wenn ihr sie nicht versteht. Eure Ablehnung kann jemanden stärker verletzten als ihr jemals vermuten würdet. Außerdem wird das Leben sehr viel entspannter, wenn man sich nicht über alles aufregt, sondern gewisse Dinge und Menschen einfach lässt wie sie sind.

Den eigenen Weg zu finden und zu gehen ist nicht einfach. Die Meinungen und Ratschläge von anderen können auch eine vermeintliche Sicherheit versprechen, die aber trügerisch ist. Den Weg, den man wählt, sollte der eigene sein, selbst beschritten, unabhängig von fremden Einflüssen.

Big hugs,

Isabell

Don’t set yourself on fire to keep others warm

For the longest time I’ve felt attracted to sentences like these without really understanding them, as simple as they may seem. Now, after going to therapy for awhile and getting my head back together, I finally, truly do understand.
For how long have I done things to please others, or rather; believed I had to please them. For how long have I been doing things, because I thought: „That’s normal, everyone does that, so you’ve got to do it, too.“
How dare I do something other than what everyone does? Now I know; there’s actually no such thing as the norm. Sure, some people will do some things alike, but there’s no clear path you have to go to get somewhere. That’s never worked out. Life is chaotic and more often than not we can’t control what happens to us.
For example, just a few months ago I would’ve been ashamed to admit to go to therapy, today it’s completely okay for me. Going to therapy doesn’t mean that I failed, it means that I’m caring for myself, working on myself, reflecting my behaviour and trying to be a better version of myself. Better in this case doesn’t mean more successful (career-wise), but more content and at peace with myself. Those are the requirements to become successful in life, whatever that may mean for you.
Back to topic: There’s no norm and you can’t control life. We can’t control what happens to us – we can only control our reaction to what happens to us. That alone should tell us not to always try to please someone else, because clearly it’s not possible. I mean, you can try to, but for it to work out the person you are trying to please has to see things the way you do and accept to be pleased. Being nice to someone doesn’t magically cause them to like you.
I don’t want to encourage you to be terrible to others. I want to encourage you to be kind to yourself. Don’t always set yourself back, especially not if it’s important to you. Don’t do anything you don’t want to do.
Don’t set yourself on fire to keep others warm.

Know your boundaries and speak about them to others. If you don’t, they won’t know.
I, personally, noticed that, because I don’t communicate my boundaries, I somehow still hold others responsible for constantly stepping over them, because I expect them to magically know. Which is quite stupid. I have to tell them what’s okay for me and what’s not. Of course there are people who overstep boundaries they know they’re there completely on purpose (that’s abuse), but this is another topic for another time.

Few things were more liberating for me than admitting to myself that I don’t have to do things I don’t want to do. Which sounds so utterly stupid when being typed out, because it’s so obvious. Some people who read this will call me absolutely stupid, but let me tell you, for some people it’s not normal to simply not do what you don’t want to do. For me for example it never was. Since early childhood I’ve been taught that I’m only worthy of love if I reach the goals that others have set for me. It’s hard to get out of something like that and I’m still struggling.

To all of you who know that feeling; it’s completely idiotic to think that people will only love you if you do what they want you to do – they’ll love you either way! And if they don’t they’ve unfortunately (and I know how much this hurts) never loved you at all.
For all of those who read this and think it’s gibberish; Be kind to people. Let them be even if you can’t quite understand them. Sometimes a word can hurt more than you would’ve ever imagined or intended. Plus, life gets way more relaxed if you don’t always concentrate on other people.

It’s hard to find your path. Relying on the opinions, the advice and guidance of others might give us a sense of security, but that sense can be deceiving. In the end, for you to walk and find the path that is right for you, you have to listen to yourself.

Big hugs,

Isabell

2 Antworten auf “Freedom is not having to do what you don’t want to do.”

  1. Das hast Du ebenso reflektiert, wie von vielen inneren Emotionen getragen, geschrieben, liebe Isabell. – Ich konnte das buchstäblich spüren, erleben!

    Wahrscheinlich hat das wenigstens ein bisschen damit zu tun, dass ich von persönlichem Erleben ausgehend, deine Überlegungen sehr gut nachvollziehen kann. Ich war auch über Jahre in Therapie, und deshalb erlaube ich mir zu sagen: Du bist in Deiner auf einem guten Weg, Du hast schon Erstaunliches verinnerlicht und selbst geleistet.

    An einigen Stellen, so habe ich es beim Lesen für mich erkannt, mehr und weiter als ich.

    Ich möchte Dir, so schwierig das auf diesem Wege ist, von Herzen Zuversicht zusprechen. Vor allem für jene Zeiten, die auch wieder schwierig(er) sein werden. – Du hast eine gute, eine schöne Basis dafür gelegt, solche Zeiten nun besser und anders, mit mehr Lebensqualität für Dich, zu meistern.

    Im Übrigen finde ich es sehr sympathisch, dass Du Gedanken, wie die, die Du heute aufgeschrieben hast, hier teilst, zu teilen bereit bist.

    Viele, sehr liebe Grüße an Dich!

    Gefällt 1 Person

    1. Vielen, vielen, vielen lieben Dank für diesen Kommentar! Er ist so schön durchdacht, klug und sehr, sehr hilfreich. Es hat mir unheimlich gut getan, das jetzt zu lesen – auch wenn es auf diesem Wege ist, das ist in dem Fall völlig egal.

      Ich danke dir sehr für diesen Kommentar, der mir mehr geholfen hast, als du wahrscheinlich ahnst.

      Es ist für mich oft noch nicht einfach so etwas zu teilen, aber ich habe mir immer gewünscht so etwas zu lesen, also schreibe ich es jetzt selbst, in der Hoffnung, dass es andere Menschen gibt, denen es hilft.

      Viele sehr liebe Grüße zurück!

      Gefällt 1 Person

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